Geschichte

Am Anfang des Museums Folkwang stand eine glückliche Symbiose aus Kunst, Industrie und bürgerschaftlichem Engagement. Daraus entwickelte sich zwischen 1922 und 1933 „das schönste Museum der Welt“, getragen von der Stadt Essen unter einvernehmlicher Mitwirkung und Förderung durch den 1922 gegründeten Folkwang-Museumsverein. Hier hatten sich die großen Unternehmen aus Industrie und Bergbau sowie Banken des Ruhrgebiets mit privaten Mäzenen zusammengefunden. Die Trägerschaft durch die Stadt Essen und die partnerschaftliche Förderung des Museums Folkwang durch Stadt und Verein entsprachen auch dem Willen der Familie und Erben von Karl Ernst Osthaus.

Die fruchtbare Zusammenarbeit von Stadt und Industrie – wohl eine der ersten Public-Private-Partnerships überhaupt – wurde mit Beginn des „Dritten Reichs“ jäh unterbrochen, das Museum durch Raubzüge des nationalsozialistischen Staates 1937 stark ausgeplündert und das Museumsgebäude in einer Bombennacht 1944 zerstört.

Der Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg war schwer und langwierig. Der Folkwang-Museumsverein übernahm schließlich auch die Aufgabe der (Mit)-Finanzierung des Neubaus und seiner Erweiterungen. Unterstützt durch besondere Spenden einzelner Mitglieder brachte er erhebliche Summen auf,  um verlorene Kunstwerke wieder anzukaufen oder durch ähnliche zu ersetzen. Unter dem langjährigen Museumsdirektor Professor Dr. Paul Vogt, der das volle Vertrauen und eine unermüdliche Unterstützung durch den Museumsverein genoss, entwickelte sich das Folkwang wieder zu einem der führenden Museen für moderne und zeitgenössische Kunst. Dabei förderte der Museumsverein auch innovative Wege der Kunstvermittlung und Museumspädagogik sowie die neuen Sammlungssparten Fotografie und Plakate. In seinen Reihen fanden sich immer wieder Förderer der großen Kunstausstellungen, mit denen das Museum Folkwang seit 1987 internationale Anerkennung und eine hohe Popularität gewann. Unter dem Vorsitz und auf Anregung von Professor Dr. h.c. mult. Berthold Beitz entschloss sich die Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung 2006, die Mittel für einen Neubau des Museum Folkwang (insgesamt 55 Millionen Euro) in vollem Umfang zur Verfügung zu stellen. Der Neubau wurde in grandioser Ausführung durch David Chipperfield Architects realisiert und pünktlich zu Beginn des Kulturhauptstadtjahrs 2010 eröffnet.

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Vorgeschichte
Der Gründer des Museums Folkwang Karl Ernst Osthaus stammte aus einer Industriellenfamilie. Sein Großvater, unter anderem Schraubenfabrikant in Hagen, gehörte zu den führenden Industriellen des Ruhrgebiets und war Mitbegründer des einflussreichen „Langnamvereins“ (Verein zur Wahrung der wirtschaftlichen Interessen im Rheinland und Westfalen) und des Zentralverbands Deutscher Industrieller. Von diesem Großvater erbte der Bankierssohn Karl Ernst Osthaus noch als junger Student ein bedeutendes Vermögen, das ihn in die Lage setzte, umfangreiche Sammlungen anzulegen, wobei er sich unter dem Einfluss Henry van de Veldes der Sammlung moderner Kunst zuwandte und wohl eine der kühnsten avantgardistischen Gemälde- und Skulpturensammlungen überhaupt aufbaute.

Während des Ersten Weltkrieges erkrankte Osthaus schwer. Wirtschaftliche Schwierigkeiten zwangen ihn schließlich, über einen Verkauf der Sammlung nachzudenken. Gleichzeitig machte er sich Sorgen um die Zukunft seiner Familie. Zusammen mit seiner Frau Gertrud Colsman hatte er fünf  am Ende des Krieges zum Teil noch unmündige Kinder. Testamentarisch bestimmte Karl Ernst Osthaus, dass die Sammlung nicht unter zehn Prozent ihres Werts und nur im Ganzen zu veräußern war. Nach seinem Tod am 25. März 1921 sah sich die Stadt Hagen  trotz größter Anstrengungen nicht in der Lage,  diese Bedingungen zu erfüllen

1922: Die Gründung
Um die Sammlung trotzdem dem Ruhrgebiet zu erhalten, entstand aus der Mitte des Ruhrgebiets heraus eine Initiative rund um den Direktor des Essener Kunstmuseums Dr. Ernst Gosebruch und unter der Führung des Essener Oberbürgermeisters Dr. Hans Luther und des Landrats Richard Schöne. Albert Janus vom Rheinisch-Westfälischen Kohlensyndikat, sein ständiger Notar Dr. Salomon Heinemann, Dr. Georg Hirschland vom Bankhaus Simon Hirschland KG und der junge RWE-Manager Dr. Ernst Henke sammelten Zustimmung und Geld aus der Industrie und Bürgerschaft an der Ruhr. Gleichzeitig machten sie sich Gedanken darüber, wie die von Karl Ernst Osthaus zusammen getragenen wertvollen Kunstwerke in Zukunft nachhaltig und im Sinne der Folkwang-Idee in einem Museum präsentiert und gepflegt werden sollte. Die Erben Osthaus bestanden dabei auf der Implementierung eines Kuratoriums, das in seinen Befugnissen und in seiner Zusammensetzung eine ausgewogene Balance zwischen öffentlichen und privaten Trägern  sichern sollte. Daher wurden die Stimmen der Mitglieder des Kuratoriums (Vertreter der Familie Osthaus, des Landes, der Stadt und der Industrie) so verteilt, dass die beiden Hauptparteien – Stadt und Industrie – auf einvernehmliche Entscheidungen angewiesen waren. Auch der Kunstwart, eine Art Kultusminister der Weimarer Republik, war Mitglied des Kuratoriums. Die Vertreter der Industrie kamen aus dem Kreis der Stifter, welche die 15 Millionen Mark der mit den Erben Osthaus vereinbarten Ankaufssumme aufgebracht hatten. Aus organisatorischen und rechtlichen Gründen fanden sie sich am 1. Juni 1922 zu einem Verein zusammen, dem als „Folkwang-Museumsverein“ zukünftig neben der Stadt Essen eine wichtige Rolle zufiel.

1922-1933: Aufbau in schwierigen Zeiten
Das Ruhrgebiet stand an der Schwelle zur Moderne und war offen für neue Ideen. Die von Karl Ernst Osthaus entwickelte Folkwang-Idee, mit Hilfe von Schönheit eine neue und bessere Gesellschaft heranzuziehen, auch im Ruhrgebiet ein lebenswertes Umfeld zu schaffen sowie  Kunst und Leben miteinander zu vereinen, fiel auf fruchtbaren Boden. Es machte wenig aus, dass der Kunstgeschmack im jungen Folkwang-Museumsverein noch recht heterogen war und der emsige aber in der Bürgerschaft an der Ruhr gut vernetzte Museumsdirektor Gosebruch mit seiner Liebe zur modernen Kunst oft auch auf Unverständnis, gar Ablehnung stieß. In den großen Konzernen, in Banken und international operierenden Stahl- und Eisenwerken saßen genügend Anhänger eines neuen modernen „Industrie-Westens“, die  bereit waren, der Folkwang-Idee zu folgen und die „Kohle-Region“  mit der „Produktivität des Geistes“ in ein „Kulturobjekt“ zu verwandeln (nach Das Kunstblatt, 1929). Im Museumsverein vereinten sich das Rheinisch-Westfälische Kohlensyndikat, die RWE, der alteingesessene Waldthausen-Familien-Konzern, die neue Ruhrgas AG (zunächst als Aktiengesellschaft für Kohleverwertung, seit 1928 Ruhrgas AG, heute E.ON), die Th. Goldschmidt AG (heute Teil der Evonik), die Fried Krupp AG (zunächst ab 1922 über den Bergwerksbesitz mit der Zeche Helene Amalie, seit 1936 als Gesamtunternehmen, heute als ThyssenKrupp Konzern), die großen Banken unter der Führung der Simon Hirschland KG sowie weitere Unternehmer und Bürger der Stadt.

Sie alle wollten Kunst und Kultur im Industriebezirk an der Ruhr fördern, doch blieben dafür im Grunde nur fünf Jahre Zeit. Bis 1924 lähmten Ruhr-Besetzung und Inflation alle Kräfte. Nach dem Börsencrash am 25. Oktober 1929 geriet auch die Aufbau-Arbeit des Museumsvereins ins Stocken: Wirtschaftskrise und zunehmende politische Spannungen in Gesellschaft und Tagespolitik grenzten die Handlungsspielräume stark ein. Dazwischen jedoch gelang es, die Folkwang-Sammlung, die nun mit der Sammlung des vormaligen Essener Kunstmuseums vereint war, durch kostbare Kunstwerke zu ergänzen, worunter insbesondere Edouard Manets Sänger Faure (1877) und Emil Noldes Maria Aegyptiaca (1912) zu nennen sind.

Hermann Seippel, Vorstandsvorsitzender der Ruhrgas AG,  hatte schon als Beigeordneter der Stadt Essen an dem Transfer der Folkwang-Sammlung von Hagen nach Essen mitgewirkt. Er übernahm 1928 den Vorsitz des Museumsvereins. Unter seiner Ägide konnte der seit Jahren vorbereitete Museumsneubau hinter den beiden von der Familie Goldschmidt gestifteten Villen an der Bismarckstraße endlich realisiert werden. Der Museumsverein hatte sich nicht nur an den Planungen beteiligt, sondern auch die Finanzierung ermöglicht.

1933-1945: Unter der Diktatur des Nationalsozialismus
Bis 1933 entschieden Stadt und Museumsverein einvernehmlich über die Geschicke der Sammlung Folkwang. Kurz nach der Machtübernahme erzwang der nationalsozialistische Essener Oberbürgermeister Theodor Reismann-Grone eine Veränderung der Stimmenverteilung im Kuratorium zu Lasten des Museumsvereins. Auch aus diesem Grund konnte sich der Museumsverein gegen den kurz darauf von der neuen Stadtspitze erzwungenen Rückzug des verdienstvollen Museumsleiters Gosebruch nicht wehren.  Ohnmächtig musste der Verein die Neubesetzung der Museumsleitung  durch einen SS-Funktionär akzeptieren.  In der Hoffnung auf einen weiteren Karriereschritt opferte dieser 1937 im Rahmen der Aktionen gegen „Entartete Kunst“ die Folkwang-Sammlung in zwei gezielten Raubzügen, die er selbst begleitete und koordinierte,  der Gier des nationalsozialistischen Regimes.

Darüber hinaus verlor der Museumsverein aufgrund rassistischer Feme und Verfolgung seine jüdischen Mitglieder, unter ihnen Dr. Salomon Heinemann, der nach dem November-Pogrom 1938 mit seiner Frau Anna Selbstmord beging, und schließlich auch Dr. Georg Hirschland, der sich lange der Verfolgung widersetzt hatte, dann aber gezwungen war, mit der Familie zu emigrieren. Wertvolle Gemälde seiner Kunstsammlung kamen auf Initiative der Gauleitung ins Museum Folkwang. Eine Spendenaktion von Stadt und Industrie hatte den „Ankauf“ möglich gemacht. Nur ein sehr kleiner Teil der gespendeten Kaufsumme erreichte tatsächlich die Familie Hirschland – ein exemplarisches Unrecht, das nach dem Krieg wiedergutzumachen war.

Der Langenberger Seidenfabrikant Adalbert Colsman vertrat seit 1922 als Bruder von Gertrud Osthaus die Erben Osthaus im Kuratorium. Nach dem Tod des Vorsitzenden des Museumsvereins Hermann Seippel 1937 gestaltete sich die Suche nach einem Nachfolger schwierig. Adalbert Colsman fühlte sich dem Werk seines Schwagers Karl Ernst Osthaus verpflichtet und übernahm nolens volens den Vorsitz, um den Museumsverein durch die schwierigen Jahre der Diktatur und des Zweiten Weltkriegs zu führen.

Die Finanzmittel des Museumsvereins wurden im Laufe der nationalsozialistischen Herrschaft immer geringer. Von den wenigen namhaften Kunstwerken, die der Museumsverein in dieser Zeit erwarb, sind lediglich Ankäufe von Kunst des 19. Jahrhunderts heute noch im Eigentum des Museums. Ein 1935 erworbenes bedeutendes Konvolut von Grafiken Emil Noldes wurde 1937 beschlagnahmt und ist heute im Besitz des Sprengel-Museums Hannover. Ankäufe aus dem besetzten Frankreich oder aus Belgien während des Zweiten Weltkrieges mussten unmittelbar nach Kriegsende restituiert werden.

Am 26. März 1944 wurde das Museumsgebäude nach mehreren Fliegerangriffen vollständig zerstört. Der größte Teil der Sammlungen war zuvor auf verschiedene „Bergungsorte“ verteilt worden.

1947-1987: Nachkriegszeit und Wirtschaftsblüte
Unmittelbar nach Kriegsende wurde die Folkwang-Idee  wiederbelebt: die Sehnsucht nach  freiem Kulturschaffen und moderner Kunst war nach zwölf Jahren nationalsozialistischer Diktatur groß. Schon 1946 gelang es dem Vorstand des Folkwang-Museumsvereins sich zu rekonstituieren. Im Dezember 1947 fand die erste Kuratoriumssitzung statt. Obwohl sich die Stadt Essen zunächst weigerte, auf die in der Zeit des Nationalsozialismus durchgesetzte Mehrheit der städtischen Stimmen im Kuratorium zu verzichten, besteht heute wieder ein paritätisches, zwischen Stadt und Verein ausgewogenes Stimmenverhältnis im Kuratorium.

Eine vordringliche Aufgabe war die Restituierung der 1939 „angekauften“ Gemälde aus der Sammlung des inzwischen in den USA verstorbenen jüdischen Bankiers Georg Hirschland. Insbesondere die Rückgabe von Werken deutscher Romantiker fiel der Museumsleitung und manchem Mitglied des Museumsvereins nicht leicht. Elsbeth Hirschland, die Witwe Georg Hirschlands kam dem Museum Folkwang entgegen und stiftete zum Andenken an ihren Mann, der das Museum maßgeblich mit aufgebaut hatte, sechs bedeutende Werke, darunter auch Caspar David Friedrichs Landschaft mit dem Regenborgen (1809/10). Seit 1965 engagiert sich mit Kurt Hermann Grunebaum, dann mit seinem Sohn Peter K. Grunebaum wieder ein Mitglied der Familie Hirschland im Folkwang-Museumsverein und für das Museum Folkwang. Peter K. Grunebaum ist heute Ehrenmitglied des Vereins.

Vornehmstes Ziel des Museumsvereins war die Suche nach den 1937 beschlagnahmten Kunstwerken und die Wiederherstellung der Sammlung. Nur selten gelang ein Rückerwerb. Eine der wenigen Ausnahmen war das Gemälde Am Strand von Erich Heckel (1921), das schon 1949 zurückgekauft werden konnte. Eine weitere wichtige Aufgabe war die Aufnahme neuer Kunstrichtungen ins Museum, wobei man ganz im Sinne von Karl Ernst Osthaus frühzeitig auch internationale Kunst, darunter zunächst Werke französischer Künstler, dann amerikanischer und schließlich auch osteuropäischer Künstler sammelte und moderne Skulpturen, europäisches Kunstgewerbe und außereuropäische Kunst hinzufügte. Darüber hinaus erhielt das Museum Folkwang Kunstwerke aus den Händen von Mitgliedern des Museumsvereins, von denen sich etliche selbst als Sammler betätigten.

Es war insbesondere eine Leistung von Ernst Henke, dass der Folkwang-Museumsverein wieder zu einer Versammlung kunstbegeisterter Enthusiasten wurde. Henke übernahm allerdings erst 1959 formal die Führung des Museumsvereins. Zuvor hatte er sich im Hintergrund unter anderem um die Finanzierung des neuen Museumsbaus gekümmert, eine Aufgabe, die er mit Hilfe von Dr. Hermann J. Abs von der Deutsche Bank AG mit Bravour meisterte, so dass am 27. Mai 1960 das neue Museum Folkwang wieder eröffnen und an den Glanz des 1929 eröffneten und 1944 zerstörten ersten Museum Folkwang anknüpfen konnte.

Zugleich „sammelte“ Ernst Henke zielstrebig und unbeirrbar neue Mitglieder für den Folkwang-Museumsverein. Dabei sprach er vornehmlich regionale und überregionale große Unternehmen und bekannte Persönlichkeiten aus der Wirtschaft an. Neben den traditionell hier vertretenen Unternehmen der Sparten Bergbau, Stahl, Chemie, Energie und den Banken waren dies unter anderen die Firmen Siemens, AEG, Hochtief sowie der Düsseldorfer Handelskammerpräsident Ernst Schneider, dann Berthold von Bohlen und Halbach, Hermann J. Abs und Eugen von der Heydt. Die Mitgliederpflege rückte in den Vordergrund. Zunehmend reihten sich persönliche Mitglieder in den Kreis der Stifter und Förderer des Museums Folkwang ein.

Mit der Kohlenkrise und der nachfolgenden Stahlkrise stand auch der  Folkwang-Museumsverein vor der Herausforderung einer Neuorientierung. Der inzwischen über 80 Jahre alte Dr. Ernst Henke übergab den Vorstandsvorsitz nun an den Industriellen  Berthold von Bohlen und Halbach. Unter seiner Führung und seit 1985 unter der Führung seines Nachfolgers, des Verlegers der neuen Ruhr Zeitung  Dietrich Oppenberg, beschritt das Museum Folkwang innovative Wege der Kunst-Vermittlung (Szene  Rhein- Ruhr ´72, Folkwang-Festival), die dem Geist der Zeit im Sinne einer „Kunst für alle“ und damit der Folkwang-Idee  entsprachen. Diese Aktionen wurden auch vom Museumsverein und  Mitgliedern des Museumsvereins unterstützt. In erster Linie konzentrierte sich der Verein jedoch auf die Vervollständigung der Sammlung.  Für den Ankauf neuer Kunstwerke kam die Stadt Essen, die in den Jahren des Überschusses oftmals den Museumsverein noch überflügelt hatte, kaum mehr in Betracht. Nur eine gezielte Ansprache einzelner finanzkräftiger Spender vor allem auch Kreditgeber im Kreis des Museumsvereins und eine enge Zusammenarbeit mit den Museumsstiftungen aus Essener Unternehmerkreisen ermöglichte fortan den Erwerb neuer Kunstwerke. Obwohl die Preise am Kunstmarkt gleichzeitig beträchtlich stiegen, kamen auf diese Weise Werke wie Marc Chagalls Champs de mars (1954/55) und endlich auch ein Seerosenbild (1916) und eine Kathedrale von Rouen  (1894) von  Claude Monet  in das Museum Folkwang. Auf ähnliche Weise gelang der Wiederankauf des 1937 beschlagnahmten Gemäldes Steinbruch Bibémus von Paul Cézanne (um 1895).

Die in den 1970er Jahren erfolgten Übernahmen zweier bedeutender Essener Sammlungen, der Fotografischen Sammlung des Folkwang-Dozenten Otto Steinert, und der Sammlung des Deutschen Plakat Museums in Essen, waren auch dem Folkwang-Museumsverein hoch willkommen, da diese Sparten in besonderer Weise seinem umfassenden Kunstverständnis und der von ihm begründeten Folkwang-Tradition entsprachen.  Die Sammlungen konnten allerdings nur selten im Museum Folkwang gezeigt werden, da dieses dank der vielen Neuerwerbungen  überfüllt war. Ein Erweiterungsbau war dringend erforderlich. Mit der Eröffnung dieses Anbaus 1983 konnten erstmals kurz zuvor erworbene Gemälde zum Beispiel von A.R.Penck, Georg Baselitz und Anselm Kiefer in würdiger Form präsentiert werden.

1987-2010: Die großen Ausstellungen und der Neubau des Museum Folkwang
1987 begann im Museum Folkwang der Reigen der von Mitgliedern des Museums Folkwang gesponserten und mit wesentlicher Unterstützung des Museumsvereins realisierten großen Ausstellungen. Die erste dieser Art war dem Werk Edvard Munchs gewidmet und  erinnerte bewusst an die Feme gegen die moderne Kunst 1937. Sie wurde von der Ruhrgas AG gesponsert und wie weitere folgende Ausstellungen auch durch das unermüdliche Engagement von Dr.-Ing. Achim Middelschulte, dem langjährigen Vorstandsmitglied des Unternehmens, realisiert.

Auch nach dem Wechsel des verdienstvollen Direktors des Museum Folkwang Paul Vogt zu der 1984 ins Leben gerufenen Kulturstiftung Ruhr auf dem Hügel, feierte das Museum Folkwang weiterhin Erfolge mit großen international beachteten Ausstellungen wie etwa zu Vincent van Gogh, Paul Gauguin, Ernst Ludwig Kirchner, William Turner, Otto Mueller, Paul Cézanne und Caspar David Friedrich. Aus den Einnahmen gelangen dem Folkwang-Museumsverein Erwerbungen für die Sammlung, die unter anderem mit Werken von James Ensor, Arnold Böcklin, Franz Ludwig Catel, Otto Dix, Karl Schmidt-Rottluff , Aristide Maillol oder Frank Stella, Wolf Vostell, Thomas Schütte, Lothar Baumgarten, Thomas Demand und Nam June Paik sowie auch Grafiken von Henri Matisse, Oskar Kokoschka und El Lissitzky vervollständigt werden konnte.

Darüber hinaus verfügte der Museumsverein über die Mittel, die Sanierung und Modernisierung des Altbaus von 1960 finanziell zu unterstützen. Die Kraft reichte jedoch nicht aus, die drohende Schließung des erst 1983 fertig gestellten Museumsneubaus, an dem erhebliche technische Mängel festgestellt werden mussten, abzuwenden. Erst mit der großzügigen Spendenzusage der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung kam 2006 die Rettung. Der pünktlich zur Feier des Kulturhauptstadtjahres „Essen für das Ruhrgebiet“ 2010 fertiggestellte Neubau des Museum Folkwang bildet einen Höhepunkt in der Geschichte des Museums Folkwang und des Folkwang-Museumsvereins. Die von Berthold Beitz initiierte großzügige Spende der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung ist der Großzügigkeit der Stifter für den Ankauf der Sammlung Folkwang von 1922 mehr als ebenbürtig. Doch auch der Folkwang-Museumsverein hat zum Gelingen des Neubauprojekts beigetragen und dabei unter anderem die bauliche Anpassung des Altbaus finanziell in erheblichem Umfang unterstützt.

Unter dem Titel „Das schönste Museum der Welt“ (gefördert von der E.ON Ruhrgas AG) verwies die Eröffnungsausstellung auf die Entwicklung der Folkwang-Tradition im Zentrum des Ruhrgebiets und verbeugte sich damit nicht nur vor Karl Ernst Osthaus, dem Begründer der Folkwang-Idee, sondern auch vor einem fruchtbaren Zusammenspiel von Industrie, Kunst und bürgerschaftlichem Engagement an der Ruhr, das seit über neunzig Jahren in der Arbeit des Folkwang-Museumsvereins zum Ausdruck kommt.

 

 

 

Eingang zum Hof des Museum Folkwang 1929. Im Vordergrund die beiden Goldschmidt-Villen, dazwischen das neue geschaffene Entrée, das zu weiteren Neu- und Anbauten aus der Hand des Architekten Edmund Körner führt. © Albert Renger-Patzsch - Archiv Ann und Jürgen Wilde, Zülpich/VG Bild-Kunst, Bonn 2016. 

Tor zum Innenhof des Museum Folkwang, © Albert Renger-Patzsch - Archiv Ann und Jürgen Wilde, Zülpich/VG Bild-Kunst, Bonn 2016. 

Rotunde des Museum Folkwang mit dem Jünglingsbrunnen von George Minne, © Albert Renger-Patzsch - Archiv Ann und Jürgen Wilde, Zülpich/VG Bild-Kunst, Bonn 2016. 

Gemäldegalerie im Museum Folkwang 1929 mit Blick auf Honoré Daumiers Gemälde Ecce homo, © Albert Renger-Patzsch - Archiv Ann und Jürgen Wilde, Zülpich/VG Bild-Kunst, Bonn 2016.